Wann, was, wie, warum?

Wann kann Psychotherapie hilfreich sein?

Ab welchem Zeitpunkt es sehr ratsam ist, psychotherapeutische Unterstützung aufzusuchen, ist vom persönlichen Leidensdruck abhängig. Im Normalfall ist die Seele für Krisensituationen gut ausgerüstet – wir meistern unsere Probleme, und nach einer gewissen Zeit verblassen sie. Manchmal aber wird die Psyche wegen der Schwere der Problemlage überlastet und dann reichen die eigenen Lösungsversuche sowie Trost und Ratschläge von Familien-Angehörigen, Partner und guten Freunden nicht mehr aus.

Die Gedanken kreisen um das Problem, man fühlt sich vielleicht nicht mehr verstanden oder sinkt eventuell in ein seelisches Tief und verliert den Weg zum inneren Gleichgewicht. In diesen Lebenssituationen ist eine psychotherapeutische Behandlung sehr empfehlenswert, um eine weitere Verschlimmerung zu verhindern.

Es gibt eine Vielzahl an psychotherapeutischen Richtungen mit unterschiedlichen theoretischen Modellen und Schwerpunkten und Methoden. Als „Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision“ * arbeite ich mit den psychodramatischen Ansätzen.

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* Diese Bezeichnung erhalten Ausbildungsteilnehmer/innen der Psychotherapieausbildung nach Absolvierung der wesentlichen Teile ihrer Ausbildung. Für die endgültige Berufsbezeichnung „Psychotherapeutin“ muss unter anderem der Nachweis über eine länger andauernde selbständige Tätigkeit als „Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision“ (600 Stunden) nachgewiesen werden. Der Status berechtigt zur unmittelbaren und eigenverantwortlichen therapeutischen Arbeit mit Klientinnen und Klienten. Er verpflichtet zu regelmäßiger Supervision bei einem erfahrenen Kollegen oder einer erfahrenen Kollegin mit langjähriger Praxis als Psychotherapeut/in.  Diese läuft so ab, dass die (anonymisierten) Inhalte der selbständigen Arbeit von dazu besonders berechtigten Kolleginnen und Kollegen begleitet werden, was für die Klientin bzw. den Klienten wiederum mit dem Vorteil einer laufenden Qualitätskontrolle der Therapie verbunden ist. Ein weiterer Vorteil für Klientinnen und Klienten ist der, dass die Stunden in der Regel wesentlich günstiger sind als bei Kolleginnen und Kollegen mit abgeschlossener Ausbildung. 

Was ist Psychodrama?

Das Psychodrama ist eine handlungsorientierte Methode. Die psychotherapeutische Arbeit besteht vor allem darin, Menschen zu unterstützen ihre Handlungsfähigkeit und Handlungsbreite wieder herzustellen und/oder zu erweitern. Alle Menschen sind mit Ressourcen/Stärken/Kompetenzen ausgestattet, die sie im Laufe Ihres Lebens erworben haben. Manchmal sind diese Ressourcen aber nicht mehr gut abrufbar oder noch ganz „zarte Pflänzchen“, die erst zum Wachstum angeregt werden müssen.

Im Laufe unserer Entwicklung kreieren wir bestimmte Rollen, um unser Leben meistern zu können. Unter Rollen verstehen wir Verhaltensweisen, mit denen wir mit anderen Menschen in Kontakt treten können. Es ist hilfreich, ein möglichst großes Repertoire zu haben, um mit den unterschiedlichsten Situationen und Veränderungen des Lebens umgehen zu können. Leid und Krankheit ensteht dort, wo die passenden Rollen fehlen, um eine Herausforderung zu bewältigen. Im Psychodrama werden Sie sich ihres aktuellen Rollenrepertoires bewusst und können dieses erweitern.

Im psychotherapeutischen Prozess mache ich Ressourcen und Fähigkeiten wieder sichtbar, unterstütze Ihr Wachstum und erweitere Ihr Rollenrepertoire und somit ihren Handlungsspielraum. – Damit Sie wieder die Regie in Ihrem Leben führen.

Das Psychodrama wurde vom jüdischen Arzt Jakob Levy Moreno (1889 – 1974) in den 1920ern in Wien entwickelt und ist damit eine der ältesten Psychotherapieformen, die weltweit Verbreitung gefunden hat.

Die Methoden des Psychodramas haben sich im Laufe der Jahrzehnte in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen etabliert: Sie werden neben der Einzel-, Paar- und Gruppentherapie auch sehr erfolgreich im Coaching und der Organisationsentwicklung eingesetzt.

Gründe für eine Psychotherapie

Die Gründe eine Psychotherapie zu beginnen, sind so verschieden wie die Menschen selbst. Hier sind nur einige aufgelistet, die in der täglichen Praxis oft genannt werden:

  • „Ich bin oft durcheinander und/oder leide unter Stimmungsschwankungen.“
  • „Ich kann mich nur schwer konzentrieren.“
  • „Ich fühle mich nicht mehr in der Lage meine alltäglichen Pflichten zu erfüllen.“
  • „Ich grüble viel und kann kaum noch abschalten. Mir wächst alles über den Kopf.“
  • „Mich plagen oft Gedanken, über die ich mit niemandem zu sprechen wage.“(Scham- und Schuldgefühle, Hassgefühle, Unzulänglichkeitsgefühle, das Gefühl, verfolgt oder fremdbestimmt zu werden etc).
  • „Ich fühle mich antriebs- und lustlos, erschöpft oder ständig überfordert.“
  • „Ich bin oft niedergeschlagen und habe wenig/keine Freude am Leben.“
  • „Ich habe Probleme mit Alkohol (oder anderen Suchtmitteln).“
  • „Ich bin oft traurig.“
  • „Ich befinde mich in einer belastenden Umbruchsituation, die schwer zu bewältigen ist.“  (z.B. schwere Krankheit, Tod, Arbeitslosigkeit, Scheidung, Trennung,…)
  • „Ich hatte ein Erlebnis, das ich alleine nicht verarbeiten kann.“ (z.B. sexueller Missbrauch, Misshandlung, Unfall,…)
  • „Ich leide unter Schmerzen, Atemnot, Schlafstörungen, Schwindel, Herzrhythmusstörungen oder anderen körperlichen Beschwerden, die Ärzte können aber keine körperliche Ursache feststellen.“
  • „Ich habe wiederkehrend große Probleme im Kontakt mit anderen Menschen (z.B. am Arbeitsplatz).“
  • „Ich plage mich mit Gefühlen, die ich niemandem sagen kann.“
  • „Mein Leidensdruck ist groß, ich habe schon einmal an Suizid gedacht.“
  • „Ich lebe in einer Beziehung, die mich sehr belastet.“
  • „Ich fühle mich durch die Kinder überfordert.“
  • „Ich fühle mich innerlich gezwungen, ständig dasselbe zu denken oder zu tun, obwohl dies mein Leben sehr einengt.“  (z.B. zwanghaftes Waschen, Zusperren, Grübeln u.ä.)
  • „Seit längerer Zeit halte ich mich nur noch mit Aufputsch-, Beruhigungs- oder Schlafmitteln (Psychopharmaka) aufrecht.“
  • „Ich habe Ängste, die mich belasten oder einschränken.“  (z B. vor dem Kontakt mit  Mitmenschen, vor Autoritäten, vor großen Plätzen, vor engen Räumen, vor Prüfungen)
  • „Es fällt mir äußerst schwer Entscheidungen zu treffen.“

    Der psychotherapeutische Prozess

    In einem psychotherapeutischen Prozess werden häufig verschiedene Phasen durchlaufen. Obwohl dies ein sehr individueller Prozess ist, hier die wichtigen Momente einer Psychotherapie:

    • sich finden und Vertrauen fassen
    • zu schwierigen Themen vorstoßen
    • eigene Ressourcen neu entdecken
    • Aufbrechen und Verstehen von alten Konfliktmustern und das Bearbeiten von Problemen
    • sich neu erfahren und kennen lernen
    • Konflikte austragen lernen und durcharbeiten
    • neue Handlungs- und Erlebnismöglichkeiten entdecken